Chronik eines außergewöhnlichen Kaisers.

Seine Persönlichkeit und Bedeutung für das Europa von heute.

Die Persönlichkeit Kaiser Karls V zu erklären ist vom geschichtlichen Standpunkt schwierig zu verwirklichen, obwohl Hunderte von Briefen des Fürsten aufbewahrt geblieben sind - meistens durch seinen Privatsekretär geschrieben - und Hunderte von Büchern über Karl V ausgegeben wurden.
Diese Schwierigkeit liegt nicht nur an der Tatsache, dass viele Quellen, verteilt über etwa zehn Archiven, neben Brüssel en Wien, niemals vollständig ausgelegt wurden, aber hauptsächlich weil alle vorhandene Dokumente freilich nicht mit dem Vorsatz erstellt wurden die Persönlichkeit des Fürsten wiederzugeben.
Deshalb ist es beinahe unmöglich den angegebenen Titel vollständig zu verwirklichen.
Doch werden wir es wagen, die Figur des Kaisers Karl V, der mächtigste Monarch des 16. Jahrhunderts, hier auf einer persönlichen, menschlichen Weise zu erläutern.

Neben einer Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Leben Karls V, fanden wir es richtig, aus der Zielsetzung unseres Vereines, den Mann auch auf einer anderen, reicheren Weise zu schildern. Siehe hier der andere Kaiser Karl V.

Ein echter des 16. Jahrhunderts aus dem besten Adelskreis.

Wie prächtig auch sein Aussehen am Höhepunkt seiner Herrschaft war, lies in seiner Jugend nichts vermuten, dass eine große Figur sich in ihm verborg. Der Junge hatte eine schwache Gesundheit, war mager und erschien blass und melancholisch. Der frühe Tod seines Vaters und der Ausfall seiner Mutter haben dabei zweifellos eine wichtige Rolle gespielt.

Er konnte außerdem schlecht sprechen, lispelte und stotterte. Auch für Kultursachen zeigte er wenig Interesse. Dagegen steht wohl fest, dass er sich vollständig dem Körpertraining, der Reiterei, usw. widmete.

Um das Jahr 1530 war Karel V wohl körperlich vollständig erwachsen geworden, mit vollem Bart und ausgesprochenen Habsburger Gesichtszügen. Als er sich als Ritter lies herausputzen konnte man ihn stets im Vollornat mit Kriegsrüstung bewundern.

Aber sein bewegtes Leben forderte seinen Preis. Um 1555 war Kaiser Karl V, 55 Jahre alt, nach jahrzehntelanges ständiges herumreisen durch sein umfangreiches Gebiet, körperlich schon ziemlich verdorben, wie es verschiedene Krankheiten und Leiden zeigten.

Auf gesellschaftlicher Ebene, wird Kaiser Karel V meistens in milden Ausdrücken geschildert, mit einigermaßen mythologischer Gestalt. Er war in seinem persönlichen Umgang ein liebenswürdiger Mann, jedoch mit eigensinnigen Ausfällen, aber stets treu in seinen Freundschaften. Das Protokoll fiel ihm sehr schwer, vorwitzig wie er war in seinem sittlichen Benehmen, und gefräßig an seinem eigenen Tisch oder an dem anderer. Er zeigte sich als ein besorgter Vater, sowohl gegenüber seinen ehelichen als auch seiner natürlichen Kindern. Daneben genoss er mit vollen Zügen der Jagt in den vielen Wäldern seinen Niederlanden, wo er unermüdlich sein Jägertalent demonstrierte. Kurzum war er ein echter des 16. Jahrhunderts aus dem besten Adelskreis.

Sein Einfluss auf das Europa von heute.

Die politischen Folgen der Regierungsperiode Karls V können schwierig überschätzt werden. Historisch ist es völlig verantwortet um ihn als erster moderner Monarch der Habsburger und Burgundische Erbgebiete (Die Niederlanden) zu erkennen.
Wohl diplomatisch in den Verhandlungen und Verwaltungsangelegenheiten, war er ein autoritärer Fürst, der in allen Gegenden eine gleiche zentrale Politik der Machtausbreitung ausgeführt sehen wollte, eine Politik, die ab der sechszehnten Jahrhundert gründlich bedacht und ausgeführt wurde durch eine stets steigende Anzahl regierungstreue Gruppe Juristen: "les vrais serviteurs de I'état" ("die wahren Diener des States"). Sie wurden übrigens geholfen, insbesondere in den Provinzen, durch den "goodwill" des hohen Adels, regelmäßig versammelt im bekannten Orden des Goldenen Vlieses.

Im breiten Zug seines Reiches, das von Spanien über Italien bis an des Österreichischen Gebieten verlief (neben den unglaublichen Kolonialgebiete), kann man Karl V in einem gewissen Sinne Vater von Europa nennen. Ausdrücke wie Staatseinmischung, Zentralismus, Bewaffnung, Krieg und Frieden, Gefahr aus dem Osten haben größtenteils ihren Ursprung in der Zeit Karls V. Unter seinem Anstoß wurde Brüssel, nach einer großen Verwaltungsreform in 1531, als Zentrum von Verwaltung und Politik die echte Hauptstadt und ist es geblieben.

Deswegen werden viele wohl verstehen, dass die Kenntnis der Geschichte des 16. Jahrhunderts besonders angeregt werden müsste.

Michel Baelde, Professor R.U. Gent

Acht wichtige Augenblicke

Um die Darstellung schnell und angenehm über den Bildschirm laufen zu lassen, haben wir das stürmische Leben unseres wichtigsten Genter Mitbürger in 8 wichtigen Zeiten unterteilt, die wir hier chronologisch aufzählen.

1515: Die Fröhlichen Einzüge

Am 24 Februar 1500 bringt Johanna von Kastilien im Genter Prinsenhof, einen Sohn zur Welt: Karl von Luxemburg. Jedoch zieht der Junge ziemlich schnell um zum Hofe von Margaretha von York in Mecheln. Später, wird er erzogen durch seine Tante, Margaretha von Österreich, die Schwester seines Vaters Filip der Schöne, er selbst Sohn von Maximilian von Österreich und Maria von Burgund. Dort, in Mecheln, verbleibt er bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr.

Sein Leben nimmt nun eine neue Kurve, als er in den damaligen Niederlanden am 5 Januar 1515 für mündig erklärt wird und also ausreichend fähig betrachtet um die Führung über diese Gebiete zu übernehmen. In dieser Aufgabe, wird er vorzüglich durch seine Tante Margareta geholfen – sein Vater war verstorben als Karl kaum sechs Jahre war.

In den wichtigsten Städten der verschiedenen Herzogtümern und Grafschaften werden die fröhlichen Einzüge des neuen Herrschers mit großem Prunk gefeiert. Als Herzog von Brabant wird Karl erst feierlich eingesetzt in Brüssel und Löwen, danach als Graf von Flandern in Gent. Anschließend, und genauer am 18 April 1515, macht er seine "triumphante et solemnelle entrée" in der Stadt Brügge. Holland, Seeland und Breda sind die weiteren auf der Strecke um endlich seine "Fröhlichen Einzüge" zu beenden in den verschiedenen Städten von Hennegau, Namur und Luxemburg.

Historischer Hintergrund:

Ein Fröhlicher Einzug war nicht nur eine festliche Begrüßung und Kenntnisnahme des neuen Fürsten, aber viel mehr ein Ereignis des öffentlichen Rechtes in den alten Ständestaaten wobei die Abgeordneten der verschiedenen Ständen Treue und Beistand gegenüber ihren neuen Graf, Herzog oder König schworen. Kein vernünftiger Mensch - und insbesondere der Genter – konnte damals einsehen welche Verwicklungen dieser Eidesschwur mit sich bringen würde.
Zu diesem Zeitpunkt schien nämlich der alte Ständestaat vollständig wiedererstellt, die Privilegien der landschaftlichen und örtlichen Mächtigen schienen versichert. Die Zukunft kündigte sich hoffnungsvoller an als die jüngste Vergangenheit, wo dynastische Schwierigkeiten - insbesondre in Flandern - politisches, militärisches und wirtschaftliches Unheil am Ende des 15. Jahrhunderts mit sich gebracht hatten.

1517: Thronfolge in den Spanischen Gebieten

Die Aussicht auf einer Zeit mit relativer Ruhe wurde schon schnell zerstört. Schneller als gedacht erweitert sich das Reich des jungen Fürsten, als Ferdinand von Aragon, Witwe der bereits in 1504 verstorbenen Isabella von Kastilien, am 23. Januar 1516 stirbt.
Die Tochter Ferdinands und Mutter Karls, Johanna von Kastilien, wurde außer Stande betrachtet ihren Vater nachzufolgen. Karl wird den spanischen Thron besteigen. In 1517, macht er seinen feierlichen Einzug in Spanien, wonach er in 1518 als König Carlos Primero gekrönt wurde.
Der Erzherzog Karl, Graf von Flandern, usw... ist jetzt nicht nur Herrscher über die Gebiete der Niederlande, aber auch als Carlos I über alle spanische Eroberungen und der italienischen Gebiete, unter dessen Neapel im Süden und Mailand im Norden.

1519: Karl V wird Römischer Kaiser

Am 12 Januar 1519 stirbt Karls Großvater, Maximilian von Österreich.
Nach einem harten Wahlkampf mit dem König von Frankreich Frans I, wird Karl V in Aachen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation durch die Reichsstände am 28 Juni des selben Jahres gewählt.
Alle Deutsche Gebiete kommen dadurch unter der oberen Herrschaft des 19-jährigen Fürsten.

In kaum 4 Jahre Zeit kommt so die höchst merkwürdige und umfangreiche Verbindung zu Stande zwischen den Niederlanden, Spanien, Italien, den Deutsche und den Österreichischen Gebieten.

In 1522 überlässt Karl V das Gebiet Österreich-Ungarn an seinen Bruder Ferdinand, aber doch blieb der übrige größte Teil des West-Europäischen Kontinents vollständig unter der Herrschaft des Kaisers Karls.

Aber ein Reich mit einem solchen Umfang bringt schon schnell Schwierigkeiten...

1521-1522: Aufstand in Spanien

Die ersten Herrschaftsprobleme gingen in Spanien in 1521 hervor.
Im geschichtsreiche Kastilien kommen zahlreiche Städte zum Aufstand, aber Karl V kommt persönlich um die Sachen in Ordnung zu setzen. In 1522 kam er mit seinem Heer zum zweiten Male in Spanien an, diesmal mit weniger friedsamen Zielen. Nach einem blutigen militärischen Einsatz, veröffentlicht er am 2. November bald eine allgemeine Begnadigung wodurch die Königliche Macht wieder erstellt wurde.
Diese sichtbare Gnade ist mit einer strengen Unterdrückung der Schuldigen gebunden; mehr als 150 Spanier, unter denen der Bischof von Zamora, werden zum Tode verurteilt und mit dem Schwert ums Leben gebracht.
Eine erste Mahnung des Kaisers...

1525-1530: Unruhen in Deutschland und Italien

Mit der gewaltvollen Zeit in Spanien war die Lunte am Pulverfass. In Deutschland fand in 1521 vorerst eine Auseinandersetzung mit Luther auf dem Reichstag zu Worms Platz, wonach Karl V die anti-Luther Plakaten erlies. Aber kurz darauf erfolgte im selben Deutschland der große Bauernaufstand. Die repressive Reaktion darauf durch die kaiserlichen Truppen war, sanft ausgedrückt, energisch.
In Italien wurden die Beziehungen mit Karl V womöglich noch aufgeregter. Wir schreiben 1527, als der berühmte Sacco di Roma erfolgte.
Im Streit des Papstes und des französischen König gegen den Kaiser verwüsteten Deutsche und Spanische Soldaten die Ewige Stad.

Historischer Hintergrund

Nach all diesen Schwierigkeiten in Spanien, Italien und Deutschland, war es dem noch ziemlich jungen Karl schon schnell bewusst, dass er in einem Europäischen Knäuel von Widersprüchen zurechtgekommen war - Gegensätze die durch die große Verschmelzung von Gebieten und Völkern nun einmal gut zur Äußerung kamen. Aber von Anfang an, wusste er sich sehr kräftig aufzustellen seinen Feinden gegenüber.
Karl V verlangte in alle seinen Staaten eine absolute Zusammenarbeit mit der flüchtigen monarchischen Politik und noch Papst Clemens VII, noch der Französische König Frans I, waren in Stande die straffe Machtsausübung in den eigen erworbenen Gebieten lange Zeit zu bestreiten oder zu verhindern.

1530: Kurzer Friede mit Frans I und Papst Clemens VII

Karl V gelingt es seine Monarchie auf einer klugen Weise auszubauen und zu befestigen. Am 3 August 1529 bringt: "La Paix des Dames" einen ersten aber kurzzeitigen Frieden mit dem Erbfeind Frans I, König von Frankreich.
Am 24 Februar 1530 wird Karel V auch durch die Kirche offiziell zum Römischen Kaiser gekrönt. Papst Clemens VII verleiht Karl V, mit 30 Jahren sowohl äußerlich als innerlich ein erwachsener Mann geworden, die Reichssymbolen, den Zepter, das Schwert und den Reichsapfel.

Historischer Hintergrund

In den Niederlanden hatten sich in 1521, parallel mit den Spanischen Städten, Unruhen entwickelt mit den Schöffen des Freigebietes von Brügge. Jedoch hatten ursprünglich viele gedacht, dass sie eigenmächtig und etwas eigensinnig, ihre alten Gesetze und Vorrechte durchaus verteidigen können.
Aber nach der blutigen Unterdrückung des Aufstandes in Spanien und später auch in Italien, hatten die Brugger es wohl verstanden. Karel V war ein mächtiger Fürst geworden, an dem sie viel eher Ehre beweisen könnten und Gehorsamkeit zu zeigen, statt starrer Streitigkeit oder juristischer Querulanz.
Letztendlich beschlossen die Schöffen in 1528 ihre Treue dem Kaiser zu zeigen durch sein Bildnis in der Ratskammer des Freigebietes einen wichtigen Prunkplatz zu geben.

Aber nicht jede Stadt war so demütig...

1540: Die Ungehorsamkeit von Gent

Karl V unternimmt einen eindrucksvollen Aufmarsch, selbst nach überseeischen Gebieten, aber das bedeutet immer noch nicht dass die ganze machtsbegierende Operation so fließend abläuft. Durch eine unselige finanzielle Lage, erleidet er eine Anzahl Niederlagen, die er nur schwierig verkraften kann. Neue Steuer müssen seine Kriege beköstigen, aber manche Städte weigern entschlossen die Forderungen ihres Kaisers zuzustimmen. In Gent ist sein Ansehen anno 1540 selbst so schlecht, dass die neue Statthalterin Maria von Ungarn ihrem Bruder einen Brief schreibt: "II s'agit ici que Votre Majesté soit maistre ou valet - Es geht darum ob Eure Majestät Meister oder Knecht sein wird ".

Die Genter bringen seinen Zorn zum Gipfel, als sie eine Verständigung mit dem französischen König ersuchen. Der Kelch ist voll.
Am 14 Februar 1540, kommt Karl V sie höchstpersönlich zur Ordnung aufrufen: 17 Unruhestifter werden enthauptet, eine ganze Reihe Hochwertigen werden verpflichtet am 3 Mai im schwarzen Kleid und barfuß durch die Stadt zu ziehen, gefolgt durch 50 Rebellen im weißem Hemd mit einem Strick um den Hals, als Zeichen, dass sie den Galgen verdient haben. Der Zug geht zum Prinsenhof, der kaiserliche Residenz, wo alle vor dem Kaiser kniend um seine Gnade beten...

Auf dieser Weise mussten die letzten mittelalterlichen Stadtgilden und Handwerke die noch übrig geblieben waren das Haupt beugen vor einer gewaltigen, zentralistischen aber stets ausbreitenden Staatsherrschaft.

1531 - 1555: Ein Reich über dem die Sonne nie untergeht

Der Aufgang und Machtsausbruch des Kaiser Karls ist nicht mehr zu hemmen. Unter seiner Herrschaft wurde das amerikanische Festland erobert. Mexico und das Reich der Inkas folgten. Am Ende seines Lebens war sein Gebiet so ausgebreitet, dass wir mit Recht sagen konnten, dass die Sonne darüber nie unterging.

Trotz zahlreicher Reisen, Kriege und Aufständen, hatte Karel V doch noch die Zeit gefunden zum heiraten mit Isabella von Portugal, die ihm einen Sohn, Philip II, schenkte und zwei Töchter, Maria und Johanna. Nach seiner Abdankung am 25 Oktober 1555, erbt sein Bruder Ferdinand die österreichischen Gebiete und folgt er Karl als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und sein Sohn nimmt den Zepter über die Burgundischen und Spanischen Besitze. Er selbst fährt müde und körperlich erschöpft nach Spanien, wo er am 21 September 1558 im Kloster San Jéronimo von Yuste in Extremadura stirbt als einer der größten Kaiser die die Welt erschaffen hat.